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Gemeingut statt Leerstand - Geisterhaus Friedenau, Odenwaldstr. 1 Schöneberg

Odenwaldstr. 1 / Stubenrauchstraße 69 12161 Berlin - zum Stadtplan
Samstag 18.09.2021 - Anfangszeit: 12:00 Uhr
Kategorie: Leute treffen
#B1809 #GemeingutstattLeerstand Aktion der #Stadtbodenstiftung in #Berlin #Schoeneberg -#Tempelhof vor #Geisterhaus #Friedenau

Der Leerstand des imposanten Jugendstilbaus an der Ecke ist berlinweit bekannt. Alle 16 Wohnungen des Hauses stehen seit ca. 20 Jahren leer. Immer wieder hat der Bezirk Bußgelder gegen die Eigentümerin verhängt oder Kontakt aufgenommen, um einen Verkauf des Hauses an eine landeseigene Wohnungsgesellschaft vorzuschlagen - doch ohne Erfolg. Stets reagierte die Eigentümerin im letzten Moment: beglich Schulden oder schaltete einen Anwalt ein. Dieser erklärt, es handle sich bei dem Haus nicht mehr um schutzwürdigen Wohnraum, da eine Sanierung teurer als Abriss und Neubau sei. Nun wird diese Aussage geprüft, indem gutachtlich ermittelt wird, ob das Haus noch „sanierungswürdig“ ist. Derweil kämpft die Nachbarschaftsinitiative weiter gegen den Verfall des Hauses und repariert notfalls auch mal die Fenster selbst, um den Regen draußen zu halten. Die Nachbarschaftsinitiative Friedenau sorgt seit 2016 dafür, dass ganz Berlin den leerstehenden Altbau kennt, und treibt die Politik zum Handeln.

Aktion „Gemeingut statt Leerstand“

Die Stadtbodenstiftung ist unterwegs in Berlin! Nachdem die Stadtbodenstiftung in den letzten Monaten mit viel Energie errichtet wurde, wollen wir nun mit den Menschen der Stadt ins Gespräch kommen, um die Idee einer an Bedarfen anstatt an Profit orientierten Stadtentwicklung für den Berliner Kontext mit Leben und dem Wissen der Stadtbewohner:innen zu füllen.

Das Projekt „Gemeingut statt Leerstand“ setzt hierzu an der Problematik von spekulativem Leerstand an: Bei diesem bleibt die Immobilie leer, weil es lukrativer erscheint, sie ungenutzt zu lassen, um sie ohne „wertmindernde“ Mieter:innen oder Nutzungen zum geeigneten Zeitpunkt teurer weiterzuverkaufen. Hier wird für alle sichtbar, dass immer mehr Wohn- und Gewerbeimmobilien vor allem zu Spekulationsobjekten geworden sind. Gewinne werden bei diesen nicht mehr primär aus Mieteinkünften erzielt, sondern sind Folge steigender Immobilien- bzw. Bodenpreise. Bei dieser Form der profitgelenkten Stadtentwicklung geht jegliche Orientierung am Gemeinwohl oder an den lokalen Bedürfnissen möglicher Nutzer:innen und Nachbarschaften verloren. Bei dem Projekt „Gemeingut statt Leerstand“ wird spekulativer Leerstand als „Spitze des Eisberges“ einer solchen Stadtentwicklung wird zum Anlass genommen, um ins Gespräch zu kommen: Wie ist die Wahrnehmung der Leerstands- und Spekulationsphänomene in den verschiedenen Berliner Bezirken? Was könnte und sollte an diesen Leerstandsorten Sinnvolles für die eigene Nachbarschaft stattfinden? Was bedeutet die eigene Nachbarschaft den Menschen überhaupt? Und welche Rolle könnte ein Berliner „Community-Land-Trust“ für die weitere Gestaltung der Stadt übernehmen?

An zwölf Standorten spekulativen Leerstands– einem pro Berliner Bezirk – wird von uns eine ortsspezifische Intervention durchgeführt. Für einen Tag wird eine mobile Soundinstallation der Künstler:innen Teresa Hoffmann & Lena Kocutar mit Skulpturen von Renata Müller-Tiburtius aufgebaut, die zur Interaktion und diskursivem Meinungsaustausch einladen. Wir wollen vor Ort ins Gespräch kommen und die vielfältigen Stimmen der Anwohner:innen einfangen. Diese O-Töne werden als Audios an den folgenden Orten des Leerstands über Lautsprecher wiedergegeben. So entsteht ein wachsendes, vielstimmiges Mosaik der Anwohner:innen von Leerstandsimmobilien aus allen zwölf Bezirken Berlins. Aus diesem Material wird im Anschluss an die Interventionen ein dokumentarischer Kunstfilm über die „kollektive Wunschproduktion“ der Berliner:innen zum Thema „Gemeingut statt Leerstand“ entstehen.

von: Stadtbodenstiftung

Bilder aus Berlin