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READYWASTE - temporäre Rauminstallation von Costantino Ciervo im Pavillon der Volksbühne - Eine Zusammenarbeit mit dem Berliner „Präventionsprojekt Dunkelfeld“ („Kein Täter werden“)

Rosa-Luxemburg-Platz 10178 Berlin - zum Stadtplan
Einschränkung: Die Installation ist nicht begehbar, dafür aber rund um die Uhr von außen zu besichtigen, während der gesamten Laufzeit vom 1.-25. August 2016
Montag 01.08.2016 bis Donnerstag 25.08.2016 - Anfangszeit: 18:00 Uhr
Kategorie: Kunst
Massenphänomen Missbrauchsabbildungen
Begünstigt durch technische Entwicklungen hat sich das Ausmaß an Abbildungen sexuellen Kindesmissbrauchs (verharmlosend als „Kinderpornographie“ bezeichnet) dramatisch verändert. Laut „Internet Watch Foundation“ wurden im Jahre 2013 über 13.000 Internetseiten identifiziert, die Aufnahmen von sexuellem Kindesmissbrauch enthalten, 2010 waren es noch 1351 Webseiten – eine Steigerung um fast tausend Prozent in drei Jahren. Einer aktuellen und repräsentativen Studie zufolge berichteten 2,2 Prozent der Männer in Deutschland, schon einmal Missbrauchsabbildungen von Kindern zu ihrer sexuellen Erregung genutzt zu haben. Laut BKA-Chef Holger Münch ist „Kinderpornographie ein Massenphänomen“. Jeder Abbildung sexuellen Kindesmissbrauchs geht ein realer Missbrauch voraus. Die Bilder lassen sich oftmals nie wieder löschen, das Wissen darüber führt zu einer wiederholten Traumatisierung der Opfer.

„Präventionsprojekt Dunkelfeld“ und „Kein Täter werden“

Das Berliner „Präventionsprojekt Dunkelfeld“ (www.kein-taeter-werden.de) ist ein Projekt zur Prävention sexuellen Kindesmissbrauchs. Seit 2005 bietet es Menschen, die sich sexuell zu Kindern hingezogen fühlen, therapeutische Hilfe unter Schweigepflicht. Der Berliner Standort des „Präventionsprojekt Dunkelfeld“ ist Initiator und Koordinator des deutschlandweiten Präventionsnetzwerks „Kein Täter werden“, das elf deutsche Standorte umfasst, an die sich insgesamt bislang mehr als 6.500 Personen gewandt haben. Erste Untersuchungen am Berliner Standort zeigen, dass die Therapie geeignet ist, Risikofaktoren für das Begehen sexuellen Kindesmissbrauchs und der Nutzung von Missbrauchsabbildungen zu minimieren und auf diesem Wege sexuelle Traumatisierungen von Kindern und Jugendlichen zu verhindern. Diese ereignen sich überwiegend im Dunkelfeld: Rund 70 % der diagnostisch erfassten Teilnehmer am Berliner Standort des Netzwerks „Kein Täter werden“ hatten bereits Missbrauchsabbildungen konsumiert, davon fast 90 % vollkommen unentdeckt von Polizei und Justiz. Diese Zielgruppe gilt es möglichst frühzeitig zu erreichen, um den Konsum von Missbrauchsabbildungen zu verhindern. Dem dient auch das seit April 2014 am Berliner Institut laufende Präventionsangebot für Jugendliche (www.du-traeumst-von-ihnen.de).

Missbrauchsabbildungen im Schredder – die Installation „READYWASTE“ von Costantino Ciervo

Patienten des „Präventionsprojekts Dunkelfeld“ werden bestärkt, ihre Datenträger, auf denen teilweise viele Terrabyte Datenvolumen mit Missbrauchsdarstellungen von Kindern gespeichert waren, zu zerstören - als Symbol für einen Neuanfang. Daraus entstand die Idee zu einer Installation mit solchen geschredderten Schnipseln, die einerseits diesen Therapieerfolg darstellt und zum anderen das gewaltige Ausmaß des Problems „Kinderpornographie“ aufzeigt. Ein Versuch, das Undarstellbare darzustellen - und zugleich ein Aufruf dazu, dieses Problem auf möglichst vielen gesellschaftlichen Ebenen anzugehen. Auch mit künstlerischen Mitteln. Der „gläserne“ Bücherpavillon der Volksbühne wird in den Wochen der Spielpause des Theaters im Sommer 2016 zu einem Schauraum umfunktioniert, um auf das gesamtgesellschaftlich immer noch unterschätzte Problem des weit verbreiteten Konsums von Missbrauchsabbildungen sowie die Möglichkeiten einer diesbezüglichen Prävention hinzuweisen. Im Laufe der fast vierwöchigen Präsentation füllt sich der Boden des Pavillons nach und nach mit drei Kubikmetern geschredderter Datenträger. An einer Messskala kann stets die genaue Höhe abgelesen werden. Auf einem Monitor in einem der Fenster läuft ein dokumentarisches Video, das den Vorgang der Schredder-Herstellung zeigt.

Vita Costantino Ciervo
Costantino Ciervo ist 1961 in Neapel geboren und lebt seit 1984 in Berlin. Von 1980 bis 1982 studierte er Ökonomie und Politik an der Universität für Wirtschaft und Handel in Neapel. 1988 bis 1991 studierte er Philosophie und Kunstwissenschaft an der Technischen Universität Berlin. Bereits 1993 nahm er an der Biennale von Venedig teil und erhielt 1997 eine Förderkoje der Art Cologne. 2004 wurde er für den 11. Marler Videokunstpreis und 2006 für den Käthe-Kollwitz-Preis der Akademie der Künste in Berlin nominiert. Costantino Ciervo ist seit 2009 Mitglied im Deutschen Künstlerbund e.V. Eine umfangreiche Dokumentation seiner Werke und Projekte findet man auf www.ciervo.org

von: Lealaut

Bilder aus Berlin

 
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