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DESCRIPTION:?Der Mensch kann immer etwas aus dem machen\, was man aus ihm m
 acht... Freiheit ist jene kleine Bewegung\, die aus einem völlig gesellschaft
 lich bestimmten Wesen einen Menschen macht\, der nicht in allem das darste
 llt\, was von seinem Bedingtsein herrührt? schrieb Jean-Paul Sartre. Sartres Si
 cht ist ebenso nüchtern (?kleine Bewegung?) wie existenzialistisch (?immer?) un
 d durch seine eigene Erfahrung im politischen Engagement befestigt. Politi
 sches Handeln setzt einen Begriff persönlicher Freiheit voraus. Dagegen stell
 t der Angriff auf die menschliche Willensfreiheit\, wie er heute zum Beisp
 iel von den Neurowissenschaftlern Gerhard Roth und Wolf Singer betrieben w
 ird\, eine implizite Vergeblichkeitserklärung dar.Politisch Aktive oder sozi
 al Engagierte gehen selbstverständlich davon aus\, dass sie von ihrer Entsch
 eidungsfreiheit\, ihrem Vermögen zur Empathie oder ihrer Urteilskraft freien 
 Gebrauch machen. Sie tun es einfach und artikulieren ihr Begehren im Bewus
 stsein\, etwas in Bewegung bringen zu können. Für Roth und Singer ist ein solches 
 selbstbewusstes Verständnis von Entscheiden und Handeln eine Illusion: in de
 terminierten neuronalen Prozessen des Gehirns seien die Handlungen\, die a
 us freier Wahl entsprungen zu sein scheinen\, bereits vorgeprägt. Im Alltag 
 kann man nun immer wieder beobachten\, dass Vorstellungen (wie diffus auch
  immer) von einer Determinierung menschlichen Agierens durchaus verbreitet
  sind. Darin besteht die eigentliche Herausforderung einer Auseinandersetz
 ung mit dem neuro-wissenschaftlichen Determinismus: er ist wirksam in unse
 ren Lebenswelten\, auch wenn Experten ihn längst dekonstruiert haben. Im Rückgrif
 f auf die exzellente Studie von Joachim Bauer ?Selbststeuerung. Die Wieder
 entdeckung des freien Willens? können wir begreifen\, warum das Unbehagen\, d
 as ganz und gar unseriöse neuromythologische ?Beweisführungen? erzeugen\, uns schl
 icht nicht im Mindesten irritieren sollten.Bedeutsam ist Joachim Bauers au
 ch\, weil es weiter geht als Sartres freiheitlicher Existenzialismus: er f
 ragt nämlich nach einer Lebenskunst\, die es uns ermöglicht zu lernen\, wie wir
  von unserer Willensfreiheit einen besseren Gebrauch machen können. Dafür ist ein 
 Blick auf die Funktionen der zwei verschiedenen neurobiologischen Systeme 
 des Menschen nötig: Das Basis- oder Triebsystem ist die Grundlage für spontane\, e
 motionale und triebhafte Impulse. Es signalisiert uns\, was wir mögen\, uns s
 chmeckt\, sich gut anfühlt\, aber auch wovor wir Angst haben\, welche Schmerzen
 \, Gefahren oder einfach nur Unlust wir meiden. Übergeordnet ist ihm eine A
 rt Kontrollsystem\, dessen Adresse das Stirnhirn\, der Präfrontale Cortex is
 t. Es versetzt den Menschen in die Lage\, seine Aufmerksamkeit zu fokussie
 ren\, äußere und innere Ablenkungen auszublenden\, gleichzeitig mehrere Aspe
 kte einer Situation im Gedächtnis präsent zu halten und besitzt eine große Flex
 ibilität. Noch spektakulärer ist seine Rolle für die soziale Kompetenz. ?Mithilfe d
 es Präfrontalen Cortex können wir Vorstellungen\, sozusagen innere Bilder\, von
  anderen Menschen entwickeln. Dazu gehört auch\, die Perspektive dieser ander
 en einnehmen zu können ? insbesondere sich vorstellen zu können\, wie sich das\,
  was ich selbst tue\, aus der Sicht der anderen darstellt?\, so Bauer. Sof
 ern wir gute Erfahrungen mit anderen machen\, können wir in Verbindung mit de
 m Belohnungssystem des Gehirns Glücksgefühle freisetzen\, die unsere soziale Verbund
 enheit befestigen. Solche Glückserfahrungen sind auch Ausdruck einer gelingende
 n ?Zusammenarbeit? der beiden neurobiologischen Systeme.Menschen verarbeit
 en alle von außen und aus dem eigenen Inneren eintreffenden Reize in Prüfungs- u
 nd Bewertungsprozessen\, bevor sie mit dem eigenen Verhalten reagieren - e
 inem starting point jeder Selbststeuerung. Dafür ist keineswegs immer ein kompl
 exes Nachdenken erforderlich\, denn der Körper reagiert als ganzer schnell au
 f Ereignisse und Empfindungen. ?Aber ein Teil der biologischen Selbstorgan
 isation spielt sich auf einer Bühne ab\, die wir Bewusstsein nennen?\, und zwar
  der Teil\, bei dem die Erfahrungen und Reize zum Gegenstand unserer Nachd
 enklichkeit werden. Die menschliche Fähigkeit\, in einer gegebenen Situation
  unterschiedliche Verhaltensoptionen zu entwerfen\, ihre jeweiligen Folgen
  zu antizipieren und sie gegeneinander abzuwägen\, erzeugt die Freiheitsgrad
 e des Verhaltens - den freien Willen. Ihn zu erfahren\, hat einen Lust-Fak
 tor. Kurzum: Willensfreiheit existiert (allein)\, wo wir von ihr Gebrauch 
 machen.Der Vortrag behandelt anschließend an eine Einführung in Joachim Bauers B
 uch dessen Überlegungen zu fünf zeitdiagnostischen Themen:Triebbasis des Konsumk
 apitalismus: das Reiz-Reaktionsverhalten überwältigt die SelbststeuerungDas Unb
 ewusste als Kooperationspartner des freien WillensWas heißt: Förderung gelinge
 nder Selbststeuerung in Erziehung und Schule?Empirische Daten zu Selbstste
 uerungskompetenzen in DeutschlandDer freie Wille im politischen Handeln: e
 in dialogischer\, Erkenntnis suchender sozialer Akteur.Die Veranstaltung k
 ombiniert theoretische Grundlagen mit der Diskussion aktueller\, besonders
  ?hautnaher? Beobachtungen zum Unbehagen in unserer spätkapitalistischen Kul
 tur\, da es um Alltagsutopien selbstbestimmten Lebens geht\, die sowohl di
 e Entwürfe des personalen Selbst in Bewegung bringen wie sie politisches Handel
 n nicht allein als zielorientiert wahrnehmen\, sondern auch als Bestandtei
 l sozialer Verbundenheit empfinden können.Dienstag\, 20. 09. 2016\, 20-22h\, 
 Sebastianstr. 21Seminarleiter: Dr. Wolfgang LenkDie Veranstaltung wird rea
 lisiert mit Mitteln der Stiftung Deutsche Klassenlotterie Berlin.\n\nViel 
 Spass wünscht Gratis-in-Berlin\n\nLink zum Tip: \nZu den Gratis-in-Berlin Angeb
 oten: http://www.gratis-in-berlin.de\n
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SUMMARY:Das Unbehagen in der Kultur des Spätkapitalismus
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