Erlebnisbericht: Würschtle-Gate und mehr Spannendes auf einer Hauptversammlung

Berlin - Berlin
Aktien sind eine große Chance (obgleich auch ein Risiko) in Niedrigzins-Phasen. Und wer (nur eine) (Aktie)n besitzt, kann an Hauptversammlungen teilnehmen und erleben, was wir jetzt bei der HV eines schwäbischen Autobauers im City Cube auf dem Berliner Messegelände erleben durften:

"Wir haben die Polizei gerufen, um zu schlichten“, sagte der Aufsichtsratschef während der Beantwortung der Aktionärsfragen. Es habe sich um „Saitenwürschtle“ gehandelt, nicht etwa  "Wiener Würstchen" (wohl gefragt, was daran schwäbisch sein sollte). Hintergrund: Ein Streit um die Natural-Dividende. Ein Aktionär hat wohl mehrfach Würstchen vom Buffet zum Mitnehmen eingepackt. Von einer anderen Aktionärin deswegen zur Rede gestellt, kam es zum hitzigen Würschtle-Streit. Der Aufsichtsratsvorsitzende bilanzierte: „Entweder wir brauchen mehr Würstchen oder wir schaffen die Würstchen ganz ab.“ Neben den (laut Sprecherin 12.500) Würstchen mit Kartoffelsalat gab es Wraps, Kartoffelsuppe, was Gnocchi-artiges, Salami- oder Käseweckle sowie Süßes wie Himbeer- und Schokokuchen. War völlig in Ordnung und mehr als reichlich, aber die 9 Millionen Kosten der HV (ebenfalls Frage eines Aktionärs) strahlte das Buffet jetzt nicht zwingend aus. Insgesamt wars recht laut und rummelig (war im ICC entspannter). Journalisten hatten sich wohl in einen ausgestellten Bus zurückgezogen, um in Ruhe und auch sitzenderweise Gespräche führen zu können. ;-)

Es lohnt sich aber auch, nach dem (streitbaren) Essen zu bleiben: Wir verfolgten live im Saal oder auf Monitoren (u.a. im  umkämpften Catering-Bereich) einige kritische, konstruktiv gute Fragen, aber auch comedy-artige Auftritte von Selbstdarstellern, und interessante Antworten darauf. Mehrfache Nachfragen nach Rüstungsgeschäften mit Saudiarabien damit zu beantworten, dass die Mehrheit der Aktionäre ja wohl hinter der Konzernpolitik stehe, fanden wir jedoch schwach.

Fazit: Für uns ein außergewöhnlicher, kurzweiliger und aufschlussreicher Nachmittag. W-LAN vor Ort wäre nicht schlecht gewesen, aber zumindest vorbildlich im Sinne des "Nix verkomma lassa" (ohne Ironie) war, dass die Tulpen aus den Deko-Beeten vom Service-Personal am Ausgang sträuße-weise an die Aktionäre (m/f) verteilt wurden.

Anmerkung: Dies ist ein redaktionell ausgewählter Eintrag für unsere Blog- Rubrik "Mehr als gratis, aber genial" (per Klick auf diesen Rubrik-Namen in Fettschrift wird erklärt, warum es manchmal Einträge wie diesen gibt und wie klar sie dann gekennzeichnet sind).

von: Andrea

Kommentare  

bisc 07. April 2016 - 13:45
Ha no, und 's näckschte Mol gibt's dann Saitanwürschtle , wägä dem CO2-Ausgleich, gell?

Bilder aus Berlin

 
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