Wie entsteht eine unabhängige Öffentlichkeit, wenn freie Informationen unterdrückt werden? Welche Bedeutung haben eigene Medien, persönliche Netzwerke und internationale Aufmerksamkeit für Menschen, die sich für Freiheit und Demokratie einsetzen?
Im Rahmen der diesjährigen Berlin Freedom Week erinnern wir an 40 Jahre Umwelt-Bibliothek Berlin und präsentieren die Ergebnisse unseres Jugendpodcastprojekts „MIC Check: Demokratie!“.
1986 wurde die Umwelt-Bibliothek in Ost-Berlin gegründet. Sie entwickelte sich zu einem wichtigen Zentrum der DDR-Opposition. Hier wurden unabhängige Informationen gesammelt, Samisdat-Publikationen hergestellt und verbreitet sowie Freiräume für kritischen Austausch geschaffen. Mit diesen Samisdat-Blättern trugen Oppositionelle dazu bei, das staatliche Informationsmonopol zu durchbrechen und eine eigene Gegenöffentlichkeit aufzubauen. Anhand ausgewählter Originaldokumente und Materialien aus dem Archiv der DDR-Opposition geben wir an diesem Abend Einblicke in die Arbeit und Geschichte der Umwelt-Bibliothek.
Vier Jahrzehnte später fragen wir, welche Bedeutung diese Erfahrungen für heutige Demokratiebewegungen haben. Wie lassen sich unabhängige Informationen unter autoritären Bedingungen verbreiten? Welche Risiken gehen Menschen ein, die staatliche Zensur umgehen? Was können internationale Medien bewirken, und welche neuen Möglichkeiten und Gefahren entstehen durch digitale Öffentlichkeit?
Gäste: Tim Eisenlohr, Zeitzeuge und ehemaliges Mitglied der Umwelt-Bibliothek und heute politischer Bildner. Er gibt Einblicke über die oppositionelle Medienarbeit in der DDR und die Bedeutung unabhängiger Informationsnetzwerke. Ksenija Luzkina, belarussische Journalistin und ehemalige politische Gefangene. Sie berichtet über staatliche Medienkontrolle, ihre Verfolgung und Haft sowie den Kampf um Pressefreiheit in Belarus. Sham Jaff, Journalistin und Gründerin der Nachrichtenplattform Gishty sowie des Newsletters What Happened Last Week. Sie spricht über die Rolle internationaler Medien und die Frage, welche Protestbewegungen und Menschenrechtsverletzungen weltweit Gehör finden und welche kaum wahrgenommen werden.
Moderation: Shila Behjat, Journalistin und Autorin.
Zum Auftakt stellen Jugendliche das Projekt „MIC Check: Demokratie!“ vor. Sie haben sich mit demokratischem Engagement beschäftigt, eigene Fragen entwickelt und Interviews mit Berliner Politikern geführt. Aus den Gesprächen ist eine dreiteilige Podcastreihe entstanden, deren Ergebnisse an diesem Abend präsentiert werden.
Wann? Donnerstag, 12. November 2026, 18.30 Uhr Wo? Robert-Havemann-Gesellschaft e. V., Klosterstraße 66, 10179 Berlin
Die Veranstaltung ist Teil der Berlin Freedom Week 2026. Das vollständige Programm finden Sie unter https://berlin-freedom-week.com/.
Die Veranstaltung und das Podcastprojekt „MIC Check: Demokratie!“ werden durch die Berliner Landeszentrale für politische Bildung gefördert. Veranstalter: Robert-Havemann-Gesellschaft e. V.