Seit dem 10. Oktober 2026 gilt in der Europäischen Union ein Grenzwert für die Chemikalie PFHxA in Kleidung und Schuhen. Die Bundesregierung führt die Regel in ihrer Übersicht der gesetzlichen Neuerungen für Oktober auf und nennt als Beispiel Regenjacken.
PFHxA steht für Undecafluorhexansäure, einen Stoff aus der Gruppe der per- und polyfluorierten Alkylverbindungen, kurz PFAS. In der Textilveredelung seien lange Zeit Verbindungen zum Einsatz gekommen, die sich zur besonders gefährlichen Perfluoroctansäure abbauen können, schreibt das Umweltbundesamt. Diese langkettigen PFAS hätten Hersteller in den vergangenen Jahren zunehmend durch das kurzkettige PFHxA ersetzt.
Die EU-Kommission hält auch PFHxA für bedenklich. Der Stoff übertreffe das Kriterium für sehr langlebige Stoffe bei Weitem und sei im Wasser mobil, heißt es in der Begründung der Verordnung. Um eine vergleichbare abweisende Wirkung zu erreichen, würden bei kurzkettigen PFAS größere Mengen an Hilfsmitteln eingesetzt, sogenannte Extender, so das Umweltbundesamt.
Erfasst ist nach der Verordnung Kleidung für Verbraucher samt den dazugehörigen Accessoires, als Beispiel nennt der Text Handtaschen. Schuhe gehören unabhängig vom Material dazu. Zum selben Stichtag gilt die Grenze für Imprägniersprays im Einzelhandel und für Lebensmittelverpackungen aus Papier. Ausgenommen sind unter anderem Medizinprodukte und Schutzausrüstung der höchsten Risikoklasse, etwa gegen große Hitze.
Atmungsaktive Membranen sowie wasser-, öl- und schmutzabweisende Ausrüstungen nennt das Umweltbundesamt als Einsatzorte von PFAS in Kleidung und Schuhen, etwa bei Outdoorbekleidung. Auch Imprägniermittel enthielten oft PFAS.
Reduzierte Kleidung und Schuhe bekannter Marken führen Onlineshops meist in denselben Kategorien wie das reguläre Sortiment, getrennt nach Damen und Herren. Neben Hemden und Strick finden sich im
Ralph Lauren Sale auch Jacken, Schuhe und Taschen, also Teile, bei denen wasserabweisende Eigenschaften eine Rolle spielen können. Auf den Produktseiten stehen die Materialzusammensetzung und die Pflegehinweise, bei Jacken oft auch, ob ein Stoff als wasserabweisend beschrieben ist. Diese Angaben lassen sich vor dem Kauf zwischen mehreren reduzierten Modellen vergleichen.
Alternativen ohne PFAS
Wasserabweisende Stoffe ließen sich nach Angaben des Umweltbundesamts auch ohne PFAS herstellen, etwa mit Paraffinen, also Wachsen, oder mit Polysiloxanen. Einer Jacke oder einem Schuh ist äußerlich nicht anzusehen, womit das Material ausgerüstet wurde.
Zu PFAS äußert sich Ralph Lauren im Nachhaltigkeitsbericht vom 2. Oktober 2025. Produkte, die einen gezielten Einsatz von PFAS in wasserabweisenden Stoffen erforderten, entwerfe man nicht mehr, heißt es dort. PFAS seien Teil des Prüfhandbuchs, mit dem der Konzern seine Liste eingeschränkter Stoffe durchsetze.
Der Bericht ist eine Selbstauskunft. Messwerte zu einzelnen Artikeln nennt die Passage nicht, ebenso wenig ein Datum, ab dem die Vorgabe für neue Entwürfe gilt.
25 ppb im homogenen Material
Die Verordnung verlangt, dass die Messwerte unter 25 ppb für PFHxA und seine Salze und unter 1.000 ppb für verwandte Stoffe bleiben, die sich zu PFHxA abbauen können. 25 ppb entsprechen 25 Mikrogramm je Kilogramm. Maßgeblich ist nach den Angaben des Umweltbundesamts zu PFAS in Textilien die Konzentration im homogenen Material, also in einer einheitlichen Schicht wie dem Oberstoff. Am Etikett eines Kleidungsstücks lässt sich das nicht ablesen.
Die Ausnahme für Ware vor dem Stichtag
Für Kleidung und Schuhe, die vor dem 10. Oktober 2026 in Verkehr gebracht wurden, gilt die Grenze nicht. Den Nachweis muss nach der Verordnung der Lieferant führen.
Kleidung im Sale stammt häufig aus früheren Saisons und kann damit unter diese Ausnahme fallen. Am einzelnen Teil ist das nicht zu erkennen, eine Kennzeichnungspflicht für PFHxA enthält die Beschränkung nicht.
Wer im Sale Outdoor-Mode vergleicht, ist deshalb auf die Produktangaben angewiesen und kann die Seiten ähnlicher Modelle speichern und nebeneinanderlegen. Lässt die Beschreibung einer wasserabweisenden Jacke offen, womit sie ausgerüstet ist, hilft eine Nachfrage beim Händler. Einen Anspruch auf Auskunft zu PFHxA schafft die Beschränkung allerdings nicht.
Der Vorschlag aus Deutschland
Die Beschränkung geht auf Deutschland zurück. Am 20. Dezember 2019 reichte die Bundesrepublik bei der Europäischen Chemikalienagentur ein Dossier ein und schlug eine Übergangsfrist von 18 Monaten vor, ein Fachausschuss der Agentur hielt später 36 Monate für nötig.
24 Monate setzte die Kommission für Kleidung schließlich fest. Sie beschloss die
Verordnung zu PFHxA am 19. September 2024, veröffentlicht wurde sie einen Tag später. In Kraft trat sie am 10. Oktober 2024.
Anders als der deutsche Vorschlag erfasst die Verordnung nur ausgewählte Anwendungen. Für Heimtextilien wie Teppiche und Vorhänge gilt die Grenze ab dem 10. Oktober 2027, über alle übrigen PFAS lief bei Verabschiedung ein eigenes Beschränkungsverfahren.
Kleidertausch am 6. November in Kreuzberg
Für eine Jacke, die schon im Schrank hängt, gilt keine dieser Grenzen. Vor einem Neukauf steht die Frage, wofür das Teil gedacht ist. Für den Weg zur S-Bahn reicht oft ein dichter Wollmantel oder eine gewachste Baumwolljacke, für lange Wanderungen im Regen eher ein Modell mit Membran.
Wer den Kleiderschrank lieber über Tausch auffrischt, hat zwei Termine in Kreuzberg. Am Freitag, 6. November 2026, lädt das Nachbarschaftshaus Urbanstraße zur
Kleidertauschparty in der Urbanstraße. Jacken und Schuhe seien willkommen, sofern sie gut erhalten seien und jede Person höchstens 20 Teile mitbringe, schreibt der Veranstalter.
Zwei Tage später richtet die Zentral- und Landesbibliothek mit youngcaritas Berlin und Letsact einen Kleidertausch in der Amerika-Gedenkbibliothek aus. Wer nichts zum Tauschen dabeihat, kann Teile gegen eine kleine Spende mitnehmen.
Der Tausch am Eva-Mamlok-Platz 1 beginnt am Sonntag um 12 Uhr und endet um 15 Uhr. Die Party in der Urbanstraße 21 läuft am Freitag von 15.30 bis 18.30 Uhr, der Unkostenbeitrag beträgt einen Euro.
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