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Brigitte Schiffer: Sounds of Exile

Humboldt Forum Schloßplatz 10178 Berlin - zum Stadtplan
Mittwoch 16.09.2026 - Anfangszeit: 17:00 Uhr
Kategorie: Wissen live
Wie entstehen neue Perspektiven auf die Sammlungen des Ethnologischen Museums und des Museums für Asiatische Kunst? Welche Fragen, Herausforderungen und Erkenntnisse begleiten die vielschichtige Forschung im Zusammenhang mit den cultural belongings und künstlerischen Arbeiten? Welche persönlichen Geschichten verbergen sich hinter den wissenschaftlichen Ansätzen und welche neuen Horizonte und gesellschaftlichen Fragestellungen eröffnen zeitgenössische, künstlerische Blickwinkel auf Museumsforschung?

Das Veranstaltungsformat Gästezimmer macht Stimmen internationaler Fellows und Partner*innen aus dem Projekt CoMuse – Das Kollaborative Museum hörbar und bietet einen offenen Raum für den Austausch zwischen Museumsteams, Forschungspartner*innen und Publikum. In regelmäßigen Gesprächen gewähren Wissenschaftler*innen, Kurator*innen, Vermittler*innen, Künstler*innen und Kooperationspartner*innen Einblicke in aktuelle Projekte und die vielschichtige Arbeit hinter den Kulissen. Im Dialog präsentieren sie Zwischen- und Forschungsergebnisse und diskutieren gemeinsam mit den Besuchenden, welche Wege kollaborative Forschung einschlagen kann.Dabei rückt Gästezimmer die Bedeutung von Zusammenarbeit, Wissensteilung und Vermittlung in den Fokus: In Teams werden neue Kontexte erschlossen, Kolonialgeschichte und Unrechtskontexte kritisch hinterfragt, Sammlungspraktiken und Zugänge reflektiert und Museumspraktiken partizipativ weiterentwickelt. Besonders relevant ist dabei, den Perspektiven und Forderungen der Gemeinschaften Gehör zu verschaffen, die mit den cultural belongings verbunden sind.Ob archivalische Entdeckungen, Provenienzforschung, künstlerische Interventionen oder digitale Methoden – jedes Gästezimmer bietet neue Einblicke und Perspektiven auf das, was Forschung heute ausmacht.Die Veranstaltungsreihe ist offen für alle Interessierten und lädt zur aktiven Teilnahme ein. Gästezimmer ist ein Forum, in dem Fragen willkommen sind und sich Perspektiven ändern dürfen.

Seien Sie unser Gast!

Das Gästezimmer ist eine Zusammenarbeit mit CoMuse – Das Kollaborative Museum, einer Initiative des Ethnologischen Museums und des Museums für Asiatische Kunst.Ein Gespräch zwischen der Künstlerin Netta Weiser und dem Musikwissenschaftler Dr. Matthias Pasdzierny über Leben und Werk der jüdisch-deutschen Komponistin Brigitte Schiffer (1909–1986). Gemeinsam sprechen sie über Schiffers Exiljahre in Ägypten, queere Spuren im Archiv sowie über Praktiken des Zuhörens über Zeiten und Kulturen hinweg.

Brigitte Schiffer studierte Anfang der 1930er Jahre Komposition und Musikwissenschaft in Berlin. Im Rahmen ihrer Promotion führte sie Feldforschungen in der Oase Siwa durch, einer abgelegenen Oase im Westen Ägyptens. Mit einem Phonographen dokumentierte sie eine Vielzahl vokaler Praktiken der dort lebenden Amazigh-Gemeinschaft. Zu ihren Aufnahmen gehören seltene Klangdokumente, darunter ein Trauergesang eines Kinderchors sowie eine Sammlung von Liebesliedern mit queeren Untertönen, die von Landarbeitern in den Gärten der Oase gesungen wurden.

Nach Abschluss ihrer Dissertation floh Schiffer 1935 infolge der Machtübernahme der Nationalsozialisten aus Deutschland und ging ins Exil nach Ägypten, wo sie die folgenden 30 Jahre lebte und zu einer der zentralen Figuren des Musiklebens im kosmopolitische Kairo wurde.Schiffers Aufnahmen aus Siwa haben sich im Phonogramm-Archiv erhalten – einer Institution, die historisch in koloniale Wissensproduktion eingebunden war und heute Teil des Ethnologischen Museums Berlin ist. Die Künstlerin Netta Weiser aktiviert Schiffers Archiv in ihrer Klangausstellung fuga, die derzeit im Hörraum des Humboldt Forums zu erleben ist.

Im Rahmen der Gästezimmer-Reihe spricht Netta Weiser mit dem Musikwissenschaftler Dr. Matthias Pasdzierny, der seit über zehn Jahren zu Leben und Werk Brigitte Schiffers forscht. Im Dialog zwischen künstlerischer und wissenschaftlicher Forschung reflektieren sie koloniale Klangarchive, die Herausforderungen transkultureller Forschung sowie das politische Potenzial eines anderen Zuhörens.

BETEILIGTE

Netta WeiseNetta Weiser (geb.1991) ist eine in Berlin lebende Künstlerin und Choreografin, die in den Bereichen Performance, Klanginstallation und experimentelles Radio arbeitet. 2019 initiierte sie das langfristige künstlerische Forschungsprojekt Radio-Choreography, das die Transformation von Tanz in Klang, das Verhältnis zwischen Live-Übertragung und verdrängten Geschichten sowie kollektives Zuhören als choreografische Praxis erforscht.

Ihre Arbeiten wurden international präsentiert, zuletzt unter anderem im Tanzquartier Wien, im KW Institute for Contemporary Art Berlin, bei Onassis Stegi Athen, beim WDR, in der Villa Medici Rom,und im Badischen Kunstverein Karlsruhe. Sie erhielt Fellowships am Studio für Elektroakustische Musik der Akademie der Künste Berlin sowie am VALIE EXPORT Center Linz. Neben ihrer künstlerischen Praxis moderiert sie eine monatliche Radiosendung auf reboot.fm .

Matthias Pasdzierny

Prof. Dr. Matthias Pasdzierny (* 1976 in Goettingen) ist ein Musikwissenschaftler aus Berlin (Universität der Künste Berlin/Berlin-Brandenburg Akademie der Wissenschaften). Seine Forschungsgebiete sind: kritisch-wissenschaftliche Edition der (Tonband-)Musik von Bernd Alois Zimmermann, Musik und Migration nach 1945, Geschichte und Geschichtsschreibung von Techno/Electronic Dance Music; Publikationen u.a.: Wiederaufnahme? Rückkehr aus dem Exil und das westdeutsche Musikleben nach 1945, text + kritik München 2014; Inside the Studio. Spaces of Electronic Music Production Berlin/Cairo, Hatje Cantz Berlin 2025

- Preis: kostenfrei
- Dauer: 60 Min
- Alter: ab 12 Jahre
- Ort: Mechanische Arena im Foyer
- Teil von: Gästezimmer

von: soesch

Mehr Infos im Internet:

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