MURPHY Von Samuel Beckett
Bearbeitung und Regie: Oliver Sturm
Murphy ist der häufigste Nachname in Irland, ein Allerweltsname wie Müller im
Deutschen. Und eigentlich müsste man sich bei Samuel Becketts gleichnamigem
Roman - um die eigentümliche Komik des Originals zu spüren - immer Müller
denken, wenn von Murphy die Rede ist. Becketts Held indes ist nun alles andere
als ein Allerweltscharakter. Er ist ewissermaßen eine Übertreibung seines
damals, im Jahr 1934 erst 28-jährigen Schöpfers Samuel Beckett selbst, der -
wie Murphy - vor der Enge und Tristesse der irischen Wirklichkeit ins Londoner
Exil geflohen war, um dort die Bürde seiner irischen Wurzeln loszuwerden.
Während Beckett es mit Psychoanalyse und Schreiben probierte, schlägt Murphy
den Weg einer konsequenten Entkörperlichung ein.Murphy
lebt, abgetaucht und für seine irischen Freunde unerreichbar, in einer
schwierigen Liebesbeziehung mit der Londoner Prostituierten Celia und frönt den
Exerzitien einer radikalen Vergeistigung. Er ahnt nicht, dass das Böse, dem er
für immer zu entrinnen trachtete, sich bereits auf die Suche nach ihm gemacht
hat und in Gestalt seiner Ex-Geliebten, seines Professors und eines ehemaligen
Dubliner Kommilitonen auf dem Weg nach London ist.
Produktion: DLF 2014
Länge: ca. 80'
von: Hörtheater