Mit einem Gratiskulturtag wollen Abgeordnete des Berliner Parlamentes sich für die "Tatkraft der Berliner/Innen in der Aufnahme der Tausende von Flüchtlingen bedanken". Für einen Teil der Angebote waren Vorabmeldungen erforderlich. Ohne vorherige Reservierung, aber (teilweise auf 'der frühe Vogel'-Basis) gehen Tierpark, Berlinische Galerie, Botanischer Garten, Brücke Museum, Berliner Bäder, Abgeordnetenhaus, Bauhaus-Archiv, Deutsches Historisches Museum, Gedenkstätte Hohenschönhausen, Märkisches Museum, Technikmuseum und Zitadelle Spandau. Programm auf der ganz unten verlinkten Website.
Habe mich jetzt sieben Jahre lang darauf fokussiert, Berlin einfach als außergewöhnliche Stadt mit besonders vielen spannenden Events vorzustellen, aber hier fällt es mir ausnahmsweise schwer, Politik auszuklammern:
Da diese Aktion "Berlin sagt Danke" nur drei Tage nach dem Kippen eines Volksentscheides passiert, darf neben hehren Zielen doch auch der Versuch eines Trostpflasters fürs 'Volk' vermutet werden. Auf dem Tempelhofer Feld wird der Senat (entgegen des erst eineinhalb Jahre bestehenden Volksentscheids gegen eine Bebauung) Deutschlands größtes Massenlager für 7000 auf engstem Raum lebende Flüchtlinge errichten - negative Auswirkungen einer Ghettobildung zu verhindern scheint eine, extrem vorsichtig ausgedrückt, schwierige Herausforderung zu werden. Ein Banlieue, aber im Herzen der Stadt - angeblich "nur" bis 2019. Auch bundesweit und sogar im Ausland (Österreich, Holland) berichteten Medien sehr kritisch über dieses Unterfangen:
Berlin plant XXL-Unterkunft für Flüchtlinge (ZDF heute), Stern, ntv uvm. brachten ähnliche Beiträge
Der Flughafen Tempelhof ist Berlins teuerste und laut Flüchtingsrat schlechteste Flüchtlingsunterkunft. Initiativen wie 100% Tempelhofer Feld wiesen den Senat auf alternative Standorte und sogar auf Alternativen der Feldbebauung ohne erforderliches Kippen des Volksentscheids hin, an konstruktiven Bau-Vorschlägen wird weiter gearbeitet: http://www.thf.openport.berlin
Auch ein Architekt der Akademie der Künste kritisert die Baupläne und zeigt, dass eine Gesetzesänderung für die Flächen des Volksentscheids nicht nötig wäre: (Perfide Pläne, Berliner Zeitung). Sogar in Koalitionskreisen war das Volksentscheids-Anfassen umstritten, immerhin ein Regierungssmitglied hatte das Rückgrat, öffentlich dagegen zu stimmen (Interview mit dem 'Abweichler', Tagesspiegel).
Persönliche Meinung: Fast genauso ärgerlich und überflüssig finde ich auch die Pläne des Senats, laut Medienberichten großangelegt für 800.000 Euro Folgekosten 'Studentenwerk' in 'Studierendenwerk' umbenennen zu lassen. Als ob Berlin gerade keine größeren Probleme hätte.
Wer seine Meinung schon vor der Wahl im September einbringen will: Kritik und Verbesserungsvorschläge zu Plänen können immer per Mail an die Abgeordneten geschickt werden. 100% Tempelhofer Feld hat dafür z.B. ein Kontakformular zusammengestellt: http://www.thf100.de/tl_files/abgeordnetenFormular/form.html
von: Andrea