Im Mai 2017 gewann Rodrigo Duterte die Philippinischen Präsidentschaftswahlen mit einem erdrutscharitgen Sieg, nachdem er die vollständige Ausrottung von Drogen zu seinem zentralen Wahlkampfversprechen gemacht hatte. Seit seinem Amtsantritt hat Duterte einen ‚Krieg gegen Drogen‘ ausgerufen, für den jedes Mittel recht scheint, selbst wenn staatliche Akteure hierfür Gewalt anwenden müssen. Laut Human Rights Watch sind in diesem ‚Krieg gegen Drogen‘ bis Januar 2018 bereits über 12.000 Menschen außergerichtlich hingerichtet worden. Bei den Opfern handelt es sich um mutmaßliche Drogenkonsumenten und Dealer, welche meist aus armen Familien stammen, die in den urbanen Zentren des Landes leben. Schätzungsweise 4.000 dieser Fälle können Polizeieinsätzen zugeschrieben werden, der Rest geht auf das Konto von ‚nicht identifizierten Bewaffneten‘. Derartige Tötungen führen zu keinerlei polizeilichen Ermittlungen. Auch ermuntert Präsident Duterte in öffentlichen Äußerungen brutale Polizeigewalt, so dass naheliegt, dass Hinrichtungen offiziell geduldet werden. Während nationale und internationale Menschenrechtsaktivist*innen Alarm schlagen, gilt Duterte unter weiten Teilen der Bevölkerung weiterhin als populär. Nur langsam regt sich eine zivilgesellschaftlich verankerte Protestbewegung, doch hat diese in den letzten Monaten zunehmend an Kraft gewonnen, während Dutertes Popularität zu bröckeln scheint.
Der Fotograf Raffy Lerma hat seine Arbeit den Opfern dieser gewalttätigen Politik gewidmet, um der Enthumanisierung der Opfer etwas entgegenzusetzen und dem Leid der Hinterbliebenen eine Stimme zu verleihen. Als "Nachtschichtgruppe" dokumentiert er gemeinsam mit anderen Fotojournalisten die die Morde. Mit der Veröffentlichung ihrer Bilder interveniert die Gruppe in den öffentlichen Diskurs und verlangt Rechenschaft für die unzähligen außergerichtlichen Hinrichtungen. In seinem Vortrag wird Raffy von dieser Arbeit berichten und einige seiner Fotografien mit den Geschichten dahinter vorstellen.
Zum Referent:
Raffy Lerma arbeitet als Fotograf in der philippinischen Hauptstadt Manila. Nachdem er zwölf Jahre als nachrichtenfotograf in der täglichen Berichterstattung für den Philippine Daily Inquirer tätig war, arbeitet er inzwischen als unabhängiger Fotograf und dokumentiert die Opfer des philippinischen "Drogenkriegs".
Die Veranstaltung findet in englischer Sprache mit Flüsterübersetzung ins Deutsche statt. Sie wird in Kooperation mit der Philippine Studies Series Berlin durchgeführt.
Diese Veranstaltung wird realisiert mit Mitteln der Stiftung Deutsche Klassenlotterie Berlin