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Ausstellung: Marie Lelouche - "You have a new memory"

Eberswalder Str. 30 10437 Berlin - zum Stadtplan
Samstag 11.01.2020 bis Samstag 14.03.2020 - Anfangszeit: 19:00 Uhr
Kategorie: Kunst
Marie Lelouche
YOU HAVE A NEW MEMORY

Eröffnung: 11.01.2020, 19 Uhr
Laufzeit: bis 14.03.2020
Öffnungszeiten: Di-Sa, 13-18 Uhr
Galerie Mazzoli, Prenzlauer Berg


Galerie Mazzoli freut sich, mit You have a new memory die erste Einzelausstellung von Marie Lelouche in Deutschland zu präsentieren.Zentraler Gegenstand der künstlerischen Praxis von Marie Lelouche ist die Technologie – unsere zugleich sperrige Mitbewohnerin und unverzichtbare Komplizin. Lelouche bedient sich der modernsten Werkzeuge: Sie benutzt einen 3D-Scanner, um öffentliche Räume zu sondieren und das zu sammeln, was wir oberflächlich als „Erinnerungen" definieren könnten. Es ist eben das Wort „Erinnerung", das ihre Aufmerksamkeit erregt und aus der You have a new memory hervorgeht. In dieser Ausstellung zerlegt sie diese und untersucht sie wie einen lebendigen Körper, versehen mit einer eigenen Individualität.Durch den in den Sozialen Medien typischen Satz „You have a new memory" dringt die Technologie in den privaten Bereich ein und zwingt uns, uns mit Bildern auseinanderzusetzen, die manchmal alles andere als unsere Vergangenheit zu sein scheinen. Die kühlen und anonymen Folien, die digitale Erinnerungen, erscheinen verzerrt, ja sogar falsch. Diese Wahrnehmung veranlasste Lelouche dazu, die mnemotechnischen Mechanismen des menschlichen Verstands zu untersuchen und dabei zu entdecken, dass diese ebenso trügerisch funktionieren. Jüngste Studien haben gezeigt, dass wir Erinnerungen mit Hilfe von zwei Gehirnbereichen speichern. Der eine Teil fügt die Verbindungen zusammen, der andere, geradezu paradoxerweise, spaltet sie auf und erfasst isolierte Elemente. Diese Elemente tauchen dann entsprechend dem, woran wir uns – unbewusst – erinnern wollen, anders auf. Manche werden hervorgeholt, andere archiviert. Kurz gesagt: Wann immer wir uns erinnern, bilden wir eine andere Szenerie. Wir produzieren eine Erinnerung, die von ihrem Ursprung losgelöst ist, ein Element, das in gewisser Weise falsch zu sein scheint. Eine neue Erinnerung. Eine neue Realität.Lelouche greift diese Theorie auf und setzt sich in ihrer Arbeit stets mit der Annahme auseinander, dass die Erinnerung, sowohl die physische als auch die digitale, ein instabiles Magma ist, eine unzuverlässige Beschreibung der Vergangenheit.Für die ausgestellten Arbeiten greift sie auf ihr persönliches Archiv von 3D-Scans von Oberflächen, Ecken oder Details öffentlicher Orte zurück. Die keineswegs anonymen öffentliche Räume und Stadtmöbel haben ihre Aufmerksamkeit stets auf sich gezogen. Allgemein, da sie eine gemeinsame soziale und mentale Basis schaffen, und doch sehr persönlich, da sie von allen unterschiedlich wahrgenommen werden. Erinnerungen ohne Bezug, Repräsentationen ohne Subjekt. Ein Archiv, das nie den Zweck hatte, an irgendetwas zu erinnern. In diesem Sinne ist das Vorgehen der französischen Künstlerin nicht als ein Archivierungsprozess bezeichnet werden, sondern vielmehr als eine Form der Transformation, die den mnemotechnischer Prozess nachahmt und eine schlummernde Erinnerung in etwas völlig Neues zu verwandeln.Die gescannten Raumfragmente bilden eine Serie von abstrakten Formen. Auf PVC gedruckt und als Totems aufgehängt, bilden sie einen Wald aus endlich befreiten, neuen Erinnerungen. So eigenständig, dass sie sogar ihre eigene Identität besitzen – Elis, Andrea, Yuma und Céles. Nach einem ersten Blick entdecken wir die Anwesenheit von drei scheinbar verlassenen Smartphones, auf denen rätselhafte Texte ablaufen. Die Telefone fungieren als die Stimmen von Elis, Andrea, Yuma und Céles, die über die Beschaffenheit des Gedächtnisses diskutieren, teils im Chat, teils in Form von Monologen. Dies ist der Höhepunkt einer scheinbar verwirrenden Situation: In diesen Räumen sind Bilder keine Erinnerungen mehr, sie haben durch ihre Transformation ihre Indexikalität verloren. Die neuen Identitäten solcher Bilder bemühen sich jedoch, das Erinnern zu verstehen und ihr mnemotechnisches Potential und vor allem ihre Fähigkeit zur Schau zu stellen, sich an Bilder wie sie selbst zu erinnern. Wir sind in ein Paradoxon eingetaucht, das gleichzeitig so nah an der Realität ist, wie es nur sein kann.Ausgehend von der Erforschung der Rolle der Technologie und der Funktionsweise des menschlichen Gehirns, präsentiert Lelouche ihr visuelles Statement. Es erscheint verzerrt oder dystopisch, verweist aber unmittelbar auf die Realität, in der wir leben – ein mehrdimensionaler Raum, in dem die menschliche Erinnerung nicht notwendigerweise der Wahrheit entspricht und in dem das menschliche und das digitale Gedächtnis nicht übereinstimmen, jedoch koexistieren.Der Schleier der Maya, der die phänomenale Welt bedeckt, ist die einzige Realität. Schopenhauer folgend: Lelouche dehnt, zerschneidet, vervielfacht den Schleier und macht lebendige Materie daraus. Der Raum, der die Dinge von den Erfahrungen, die Erfahrungen von den Erinnerungen und die Erinnerungen von uns trennt, ist unbestimmt. Lelouches Forschung setzt genau an diesem Punkt an und macht ihn physisch.

von: Galerie Mazzoli

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