Textil als Sprache der Resilienz Nar·be/Nárbe/
Substantiv, feminin [die]
1. auf der Hautoberfläche sichtbare Spur einer verheilten Wunde Bei traumatischen und gewaltvollen Verletzungen, die mit Durchtrennungen oder Verlust von Gewebe einhergehen, entstehen Wunden. Wunden an unserem Körper. Wunden an unserer Seele. Gewalt gegen Frauen* ist eine der am weitesten verbreitete und weltweit am tiefsten in den Gesellschaften verankerte Menschenrechtsverletzung, die noch immer Hindernis ist für die Verwirklichung von Gleichheit, Frieden und den Frauenrechten. Physische und psychische Gewalt prägt den Alltag von Frauen* aus allen Schichten und wird weiterhin geduldet, ignoriert und instrumentalisiert – auch hier in Berlin-Neukölln. Größere Verletzungen heilen ohne Unterstützung nur sehr langsam, weshalb sie genäht werden. Narben sind die sichtbaren Spuren dieser verheilten Wunden. Die Künstlerinnen der Ausstellung legen mit sichtbaren Nähten ihre persönlichen Narben offen und geben Einblicke in die Strategien der Selbsterhaltung und der Heilung. Nähte, die sichtbaren Spuren im Gewebe, verdeutlichen den Prozess der künstlerischen Arbeit und der damit einhergehenden Wundheilung. Die Geschichten der Frauen* werden sichtbar, die sich hinter dem Stoff versteckt haben – die von dem Stoff versteckt wurden. Die handgenähten Textilarbeiten zeugen von Widerstandskraft und dem kollektiven Protest gegen Unsichtbarkeit, Unterdrückung und Gewalt.
Tewa Barnosa, Nuray Demir, Regina José Galindo, Samira Hodaei, Sophie Utikal, Verena Melgarejo Weinandt
Kuratiert von Daniela Nadwornicek
Vernissage: Freitag, 20. August, 18 – 21 Uhr
Ausstellung 21. August – 3.Oktober 2021