Mit einer Reihe von zehn Ausstellungen sowie einem vielgestaltigen Begleitprogramm in der Guardini Galerie und der St. Matthäus-Kirche wird sich die Guardini Stiftung gemeinsam mit der Kulturstiftung St. Matthäus in der Zeit bis zum Reformationsjubiläum 2017 mit den Einzelgeboten des von Martin Luther gedeuteten Dekalogs beschäftigen. Die Präsentation von künstlerischen Arbeiten, aber auch von historischen wie zeitgenössischen Artefakten wird die Intensität des Dekalogs zur Darstellung bringen und sich damit in einer von Luthers Auslegung beförderten modernen »Mechanik« bewegen; sie besteht darin, jenseits eines formalen Gebotskanons oder eines unmittelbaren Appells subjektive, von persönlicher Einsicht getragene Haltungen zu bewirken. Ein methodisches Vorbild ist Krzysztof Kieślowskis zehnteilige Filmreihe zum Dekalog aus den Jahren 1988/89. Der erste Teil der Ausstellungs- und Veranstaltungsfolge wird sich mit dem Fremdgötter- und Bilderverbot auseinandersetzen, mit der Frage, welche Bilder heute, nach dem Niedergang säkularer Erlösungsreligionen (Kommunismus, Faschismus, autokratischer Modernismus etc.) womöglich Träger neuer Ideologeme sind und wie sich unter Umständen neue totalitäre Denkformen ästhetisch artikulieren - der Bogen reicht von der »Religiosität des Konsumismus« (Norbert Bolz) mit dessen Markenkulten über das Wiederaufleben religiöser Fundamentalismen bis hin zu einem Phänomen, das mit »Kunst als Religionsersatz« vorläufig umschrieben werden kann.
Gemeinsamer Beitrag der Guardini Stiftung und der Stiftung St. Matthäus zum Reformationsjubiläum 2017
Gefördert vom Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien aufgrund eines Beschlusses des Deutschen Bundestages