Wer an Flucht vor dem Nationalsozialismus denkt, hat meist Zugreisen, Wege über die “Grüne Grenze” oder Passagen auf Überseedampfern vor Augen.
Kaum bekannt ist, dass auch das Flugzeug für viele Verfolgte zu einem Rettungsweg wurde. Besonders ab 1938, als sich die Lage dramatisch zuspitzte und Ausreisen immer dringlicher wurden, nutzten vor allem jüdische Flüchtlinge internationale Flugverbindungen, um Deutschland zu verlassen. Mit der Lufthansa-Linie 22 ab Berlin war etwa der Hafen Lissabons erreichbar, für viele ein Tor ins weitere Exil. Über die Route 3 nach Moskau konnte der Weg ins Exil im Osten, etwa nach Shanghai oder Harbin, verkürzt werden.
Der Vortrag unseres Gastes, Carolin Liebisch-Gümüş, beleuchtet diese bislang wenig bekannte Geschichte der Flucht per Flugzeug im “Dritten Reich”. Im Mittelpunkt stehen die Wege und Erfahrungen der Flüchtenden ebenso wie die ambivalente Rolle der Lufthansa, sowohl als NS-Flag Carrier als auch als Anbieter einer Fluchtmöglichkeit.