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Systems of Constraint
Dienstag 20.10.2026
bis Samstag 24.10.2026 - Anfangszeit: 21:00 Uhr
Systems of Constraint ist eine Installations- und Performancereihe, die sich mit der sinnlich-körperlichen Erfahrung von Bondage beschäftigt. Durch zeitlich ausgedehnte Performances, analoge Videosynthese und immersive Installation geht das Projekt der Frage nach, was entsteht, wenn Körper aneinandergebunden sind.
Die gemeinsame Performance von Chendo und King geht von der Vorstellung aus, dass menschliches Erleben und jede daraus hervorgehende Vorstellung eines „Selbst“ im Verhältnis zu einem „Anderen“ geformt werden. Indem sie sich aneinanderbinden, erproben die beiden, wie sich Einschränkung performativ erfahrbar machen lässt. Was geschieht, wenn sie diese Bindung zwischen Selbst und Anderem immer wieder spüren und die dabei entstehende Spannung aufzeichnen? Kann die Bewegung durch die Welt im Zustand des Aneinandergebundenseins Raum für neue Vorstellungen des Selbst eröffnen, die durchlässiger für das Anderssein sind – dafür, vom Anderen bewegt zu werden? Mit dem Seil führen Chendo und King ein Modell von Konsens vor, das jenseits neoliberaler Vorstellungen eines Individuums liegt, das sich selbst vollständig kennt und Berührung, Einflussnahme oder das Bewegtwerden nur dann zulässt, wenn es dies möchte. Sie verkörpern eine Gestalt im Wandel, eine Form des Gebundenwerdens. Sie sind keine in sich abgeschlossenen Einheiten; sie finden sich aneinandergebunden wieder.
Im Zentrum des Projekts steht Tethered, eine dreimonatige Reihe zeitlich ausgedehnter Spaziergänge durch postindustrielle Orte Berlins. Chendo und King sind durch ein Seil miteinander verbunden, in das Biegesensoren integriert sind, die Spannungsdaten erfassen. Mit jeder Performance bestimmen sie das Kräfteverhältnis zwischen sich neu; jede körperliche Bewegung aufeinander zu oder voneinander weg erzeugt einen digitalen Code. In der Installation übersetzen eigens entwickelte Max/MSP-Patches diese Spannungsdaten mittels audiovisueller Synthese und erzeugen eine digital-sinnliche Kartografie der Wege, auf die ihre Verbindung sie führt. Statt sich auf rein abbildende Medien zu stützen, bewahrt die Installation den Live-Charakter jeder Performance: Die improvisierten Bewegungen der beiden erzeugen in Echtzeit audiovisuelle Spannung.
Das Projekt knüpft an frühere gemeinsame Arbeiten von Chendo und King an, darunter Plastic (2024–25) und Hands on Foucault (2025–26), die das Verhältnis von körperlicher Erfahrung, Zuschauerschaft und technologischer Vermittlung erkunden. Während ihrer Residenz bei SomoS entwickelten die beiden Tethered durch Performances an verschiedenen Orten, darunter der Flughafen Tempelhof, der Viktoriapark und der Schwerbelastungskörper. Die Ausstellung führt diese fortlaufenden Experimente in den Galerieraum und präsentiert die materiellen und audiovisuellen Dimensionen ihrer gemeinsamen Performances.
Eröffnung & Performance: Dienstag, 20. Oktober 2026, 19–21 Uhr
Ausstellung: 21.–24. Oktober 2026, 14–19 Uhr
Ort: SomoS Arts, Kottbusser Damm 95, 1. OG, 10967 Berlin
Eintritt frei
von: SomoS