In Tempelhof ein Filmabend an einem historischen Ort, und der Eintritt kostet keinen Cent. Bezahlt hast Du trotzdem, bevor Du überhaupt auf dem Stuhl sitzt. Die Währung ist ein Formular. Name, E-Mail-Adresse, manchmal Postleitzahl und Handynummer, dazu ein vorgehaktes Kästchen für den Newsletter. Bei Führungen, Museums-Slots und Lesungen läuft es genauso. Gratis heißt in Berlin eben selten umsonst. Es heißt meistens, dass Du statt Geld ein paar Zeilen über Dich selbst hinterlässt. Der Hinweis auf den Datenschutz steht darunter, klein und ungelesen. Auffällig ist das nie, weil es jedes Mal nur ein kleines Feld mehr ist.
Anmeldepflicht beim kostenlosen Kulturprogramm
Ein kleines Feld mehr ist inzwischen die Regel. Wer einen Platz im Museums-Zeitfenster, in der Stadtführung oder beim Hofkonzert will, legt ein Konto an, bestätigt eine Mail und bekommt einen QR-Code aufs Handy. Für die Veranstalter ist das Planung. Für Dich ist es eine weitere Adresse in einem fremden Verteiler. Wie stark ein Vorteil die Hemmschwelle senkt, hat der Digitalverband Bitkom im Juni erhoben.
17 Prozent geben demnach häufig zusätzliche persönliche Daten an, wenn sie sich davon etwas versprechen. Wie Du beim Surfen
im Alltag gegensteuerst, haben wir schon einmal aufgeschrieben. Der Preis fällt nur deshalb nicht auf, weil er sich auf viele kleine Anmeldungen verteilt.
Weniger Daten für denselben Eintritt
Nötig ist meistens weniger, als das Formular suggeriert. Beim kostenlosen Kulturprogramm braucht ein Veranstalter in der Regel einen Namen und eine Erreichbarkeit, mehr nicht. Alles andere steht im Feld, weil es niemand weglässt. Ein Sternchen markiert die Pflichtangaben, und erstaunlich oft bleiben Handynummer und Wohnort ohne Sternchen. Bei Veranstaltungen mit begrenzten Plätzen kommt oft noch die Frage nach der Personenzahl dazu, und auch die lässt sich knapp halten. Auslassen kostet nichts und funktioniert trotzdem.
Ein zweiter Hebel ist die Adresse selbst. Eine eigene Mail nur für Tickets und Newsletter hält das private Postfach sauber und zeigt Dir nebenbei, wer Deine Daten weitergibt. Taucht dort plötzlich Werbung eines Anbieters auf, bei dem Du nie warst, weißt Du, wo es undicht ist. Praktisch ist außerdem, das Häkchen für den Newsletter bewusst zu setzen statt es stehen zu lassen. Ein Wegwerfpostfach ist dafür nicht nötig, ein zweites kostenloses Konto reicht völlig. Manche Kulturorte schicken tatsächlich gute Hinweise. Viele schicken einfach viel.
Der dritte Punkt kostet einmal zehn Minuten. Schau in den Einstellungen Deines Google- oder Apple-Kontos nach, welche Dienste dort noch Zugriff haben. Bei den meisten Menschen stehen dort Anmeldungen aus Jahren, die längst erledigt sind. Alte Verknüpfungen zu löschen dauert pro Eintrag ein paar Sekunden und verkürzt die Liste der Stellen, die noch etwas über Dich wissen.
Bezahlt wird also weiterhin, nur eben in Angaben statt in Euro. Das ist kein Grund, auf den Gratis-Sommer zu verzichten, denn die besten Abende in dieser Stadt kosten nach wie vor nichts. Es lohnt sich bloß, den Preis vor dem Absenden kurz anzuschauen. Ein Feld weniger ist schnell gespart, ein verkaufter Datensatz kommt nie zurück. Wer das ein paar Mal bewusst macht, merkt schnell, wie viele Felder reine Gewohnheit sind. Wer dabei gleich weiterdenkt, schaut auch bei seinen
Passwörtern nach dem Rechten. Der Rest des Herbstprogramms wartet ohnehin schon.
Strengere Prüfung bei lizenzierten Anbietern
Nicht überall ist diese Anmeldung eine Entscheidung des Veranstalters. Beim Glücksspiel schreibt der Gesetzgeber sie vor. Lizenzierte Anbieter müssen jede spielwillige Person mit dem bundesweiten Sperrsystem OASIS abgleichen, und zwar
vor jeder Teilnahme, online wie in der Spielhalle. Ohne diesen Abgleich darf niemand starten, auch nicht für eine Runde zum Ausprobieren. Aus dem Häkchen im Formular wird dort eine gesetzlich vorgeschriebene Abfrage.
Anbieter ohne Erlaubnis der Gemeinsamen Glücksspielbehörde der Länder (GGL) werben offensiv mit dem Gegenteil von Formular und Wartezeit. Das Versprechen lautet dann: eine
unkomplizierte Sofort Auszahlung ohne Verifizierung. Ein Vorteil für Nutzer ist das nicht. Angebote ohne deutsche Erlaubnis sind an OASIS nicht angeschlossen, für erlaubte Anbieter ist der Anschluss dagegen
verpflichtend. Eine eingetragene Selbstsperre wirkt deshalb nur dort, wo eine Erlaubnis vorliegt. Für Spielerinnen und Spieler in Deutschland sind solche Angebote ohne GGL-Erlaubnis nicht zulässig. Wer merkt, dass das Spielen zum Problem wird, erreicht die Beratung des Bundesinstituts für Öffentliche Gesundheit unter 0800 1 37 27 00
kostenfrei und anonym.
Diese Sicherung ist kein Misstrauen gegenüber Spielenden, sondern gelebter Spielerschutz. Sie funktioniert nur, wenn jede Anmeldung an einem echten Namen hängt, und genau daraus entsteht die Reibung, über die sich so viele beschweren. Ein Formular, das niemanden identifiziert, wäre an dieser Stelle wertlos. Damit steht diese Branche für eine Frage, die auch vor dem Freiluftkino gilt. Wie viel Auskunft ist für den jeweiligen Zweck eigentlich nötig?