Kathrin Röggla und Maxi Obexer : Das unspielbare Sprechen
Kathrin Röggla, seit Jahren unterwegs an der Schnittstelle von dokumentarischen, sprachkritischen Formen und Maxi Obexer, die gerade mit Illegale Helfer einen Text über Flüchtlingshelfer aus Gesprächen, die vier europäische Länder umfassen, vorgelegt hat, gehen der Frage nach was das Literarische im Text eigentlich genau ist. Was ist ein Text, den sich eine Bühne sowohl als Form, wie als Inhalt erst einmal einverleiben muss, welche Widerstände bleiben erhalten und welche Verantwortung im Zugriff auf Realität entwickelt sich aus diesen Widerständen heraus. Was ist das Verhältnis von realen / fiktiven Figuren, wenn beide im gleichen Text zur Sprache kommen? Wie lassen sich die fiktiven, inszenierten Strukturen unserer Realität abbilden als etwas anderes, etwas zwischen Fiktion und Realität – in der Sprache? Was aber wäre ein Sprechen, das Widerstand leistet?
Kathrin Röggla wurde 1971 in Salzburg geboren und lebt als freie Schriftstellerin in Berlin. Zuletzt erschienen die alarmbereiten (S. Fischer, 2010), Essays besser wäre: keine (S. Fischer, 2013) und im Dezember 2014 erschien Die falsche Frage im Theater der Zeit-Verlag. Ihre Arbeiten wurden mit zahlreichen Literaturpreisen ausgezeichnet, darunter der Nestroy-Theaterpreis, der Franz-Hessel-Preis oder der Arthur-Schnitzler-Preis 2012. Sie war zweimal für den Mühlheimer Dramatikerpreis nominiert. In ihren Texten arbeitet sie häufig medienübergreifend und mit dokumentarischen Verfahren, durch die sie die zeitgenössische literarische Sprache experimentell und kritisch erweitert. Im Mai 2012 wurde Röggla als neues Mitglied in die Akademie der Künste Berlin berufen.
Maxi Obexer wurde in Südtirol, Italien geboren. Sie studierte Vergleichende Literaturwissenschaft, Philosophie und Theaterwissenschaft in Wien und Berlin. Für ihre Theaterstücke und Hörspiele erhielt sie Preise und Stipendien, u.a. vom Literarischen Colloquium Berlin und der Akademie der Künste. Sie war Gastprofessorin am Dartmouth College, USA, an der Universität der Künste in Berlin und am Deutschen Literaturinstitut in Leipzig. Zu Maxi Obexers bekanntesten Werken gehören Die Liebenden, Das Geisterschiff und Gletscher sowie der 2011 erschienene Roman Wenn gefährliche Hunde lachen. Mit Marianna Salzmann begründete sie 2014 das Neue Institut für Dramatisches Schreiben - NIDS.
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6.-15. Mai 2015: RealFiktionenWie kann in Berlin eine Auseinandersetzung über Dramatik abseits des Theaterbetriebs, und umgekehrt eine Auseinandersetzung über Prosa im dramatischen Kontext geschaffen werden? Und welche Texte dürfen fiktiv über welche Wirklichkeiten überhaupt in welchem Rahmen erzählen? RealFiktionen ist ein Symposium für zeitgenössischen Theatertext und seine Schaffensprozesse. Der Dramatiker Thomas Köck und die Literaturveranstalterin Carolin Beutel haben 10 AutorInnen versammelt, die an der Schnittstelle von Theater / Prosa und Performance arbeiten. An drei Abenden werden sie medial vielfältig über Text und Theater nachdenken, nicht im Theater selbst, sondern im Literaturhaus. Ziel ist es den Theatertext dort zu kontextualisieren und zur Sprache zu bringen, wo er die letzten Jahre selten bis gar nicht zu sehen war: In der Literatur.
Künstlerische und organisatorische Leitung: Carolin Beutel und Thomas Köck
Gefördert aus Projektmitteln der Senatsverwaltung für kulturelle Angelegenheiten
von: Lettrétage