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"Am Tag danach" - LITERATURMARATHON
Samstag 16.09.2017
- Anfangszeit: 17:00 Uhr
Die Neue Nachbarschaft/Moabit lädt ein zu ihrem ersten Literaturmarathon.
Sieben Tage lang wird es im September Lesungen, Workshops, Konzerte und Filmpräsentationen geben, gestaltet von alten und neuen Nachbarn, von renommierten Schriftsteller*innen und neuen Talenten aus Syrien, Afghanistan, Albanien, aus dem Iran, Tschetschenien und Deutschland. Bei freiem Eintritt laden wir den Moabiter Kiez und die Stadt zum Zuhören und Nachdenken ein.
Eine der Fragen, die wir dabei aufwerfen möchten, ist die Frage nach dem berühmten Tag danach. Die vor zwei Jahren überall präsente Flüchtlingspolitik verschwindet wieder aus den Medien, der öffentlichen Diskurs wird zunehmend von Fragen zur inneren Sicherheit, von einem neuen Nationenverständnis und wilden Verschwörungstheorien bestimmt. Zugleich nimmt die „Festung Europa“nach Schließung der Balkanroute und verschärften Asylgesetzen immer deutlichere Konturen an. Renommierte Forscher*innen sprechen von einer Phase der „großen Regression“.
Auch die neuen Nachbarn befinden sich nach den turbulenten Ereignissen nun am Tag danach und müssen einander fragen: Was tun? Wie organisiert man die scheinbar eingekehrte Normalität? Wie lassen sich die wichtigen Fragen offenhalten? Welche neuen sozialen Formen und Initiativen tun Not, um nicht kollektiv zu verdrängen?
In solchen historischen Momenten schlägt die Stunde der Literatur – als einem Medium der Reflexion. Dies ist auch der Moment für Initiativen, die sich nicht ausschließlich als akute Hilfsmaßnahmen, sondern als soziale Plastiken oder „Commons“ jenseits der Sphäre des Marktes und der üblichen Fördermodelle verstehen. In einer Zeit, wo der öffentliche Raum zu verschwinden droht, brauchen alle gemeinsame Räume. Die Neuen Nachbarn sind bereit, sie offenzuhalten.
Kurator_Christian Filips
Das komplette Programm:
http://neuenachbarschaft.de/wp-content/uploads/2017/08/Programmheft_Literaturmarathon_e-1.pdf
ERÖFFNUNG am Sonntag, 9. September 2017
Programm:
Ab 17 Uhr: Empfang (mit Buffet) und Eröffnung
18 Uhr
Konzert mit der Band HABIBI (Syrien)
https://www.facebook.com/Habibi-Band-1641325199496897/
Den musikalischen Auftakt zu unserem Marathon macht die Band Habibi: Nabih an der Laute, Milad mit der Tabla und Firas als Sänger. Alle drei Männer kommen aus Syrien, haben sich in Berlin kennengelernt und die Band gegründet. Assyrische, armenische und griechische Klänge mischen sich mit arabischen Texten.
19.30 Uhr:
KEINE MESSER IN DEN KÜCHEN DIESER STADT
Literarische Stimmen aus Syrien
Eine zweisprachige Lesung (deutsch-arabisch)
mit Khaled Kalifa und Nouri Al-Jarrah
Khaled Kalifa wurde 1964 in Aleppo geboren. Er studierte Jura an der dortigen Universität Aleppo und war Mitbegründer der Zeitschrift »Alif«, einem kritischen Forum für experimentelle Literatur. Ende der 1980er Jahre wandte er sich von der Poesie ab und begann Romane zu schreiben. Sein dritter Roman, Lob des Hasses, gelangte auf die Shortlist des International Prize for Arabic Fiction. Khaled Khalifa lebt derzeit in Damaskus.
Nouri al-Jarrah wurde 1956 in Damaskus geboren. Er zählt zu den wichtigsten zeitgenössischen Dichtern des arabischen Sprachraums. Seine Lyrik greift auf auf Mythologie, Volksmärchen und Legenden zurück und reflektiert u.a. die metaphysische Überlegungen des Dichters Ibn Al-Arabi. Besondere Beachtung fand eines seiner jüngsten Poeme, A Boat to Lesbos, ein Requiem für das große syrische Exil.
von: Neue Nachbarschaft // Moabit