Einladung zu einer kunstgeschichtlichen Reise durch das 16. Jahrhundert. Der Lynar-Epitaphaltar tritt in der Literatur zumeist etwas hinter Rochus zu Lynar zurück, an den er in der St.-Nikolai-Kirche zu Spandau an prominenter Stelle erinnert. Ursächlich ist das Interesse, welches das bewegte Leben des Mannes mit Stationen in Oberitalien, Frankreich und an mehreren deutschen Höfen erregt. Rochus war vor allem als Festungsbaufachmann, aber auch als Soldat und Diplomat tätig und gefragt. An den religiösen Fragen seiner Zeit und ihrer politischen Dimension hat er intensiv Anteil genommen. Im Zuge der im April diesen Jahres abgeschlossenen Reinigung und Restaurierung des Altars hat der Vortragende den Altar quadratzentimeterweise kennengelernt und dabei Einblick in seine Struktur, Herstellungsweise und Restaurierungsgeschichte nehmen können. Hiervon soll zunächst berichtet werden. Der Vortrag wird sodann in kunstgeschichtlicher Absicht untersuchen, inwieweit sich Rochus zu Lynars Leben im Altar spiegelt. Ist es möglich, Einflüsse auf das Erscheinungsbild des Altars nachzuweisen, die von Werken herrühren, denen Lynar auf den Stationen seiner weitläufigen Reisen ansichtig geworden sein sollte? Lässt sich Nikolais Vermutung, dass der Bildhauer ein Italiener war, der nach Lynars Entwurf gearbeitet hat, erhärten oder hat ein anderer Biograph - Wallé - recht, wenn er einen sächsischen Bildhauer vermutet? Wie erklärt sich das frühe Datum der Herstellung des Epitaphs 1581, also bereits 15 Jahre bevor Lynar 1596 in Spandau stirbt? Wie verhält sich schließlich das sehr evangelisch-lutherische Erscheinungsbild des Altars zu Lynars reformiertem, also calvinistischem Bekenntnis? Eingeladen wird also zu einer Reise durch das 16. Jahrhundert, in welcher die Geschichte vergleichbarer Epitaphien und Epitaphienaltäre gestreift und die geschichtlichen Konturen des Lynar-Altars möglichst präzise nachgezeichnet werden sollen.
Karl Hiller M. A., Restaurator/Kunsthistoriker/Bildhauer